Ihre Apotheke vor Ort ist in Gefahr. Und damit auch Ihre Gesundheit.

Liebe Patientinnen und Patienten,

stellen Sie sich vor, Sie sind nachts auf ein dringendes Medikament angewiesen. Ihr Kind hat Fieber, der Husten will nicht weichen, oder Ihr chronisch kranker Angehöriger braucht ein Rezept – und die nächste Apotheke ist 20 Kilometer entfernt. Was heute für viele selbstverständlich ist – die Apotheke um die Ecke, die Ihnen vertraute Beratung, das schnelle Gespräch – das ist massiv bedroht.

Seit 13 Jahren hat die Politik das Apothekenhonorar nicht erhöht. Seit 13 Jahren müssen Apotheker zusehen, wie ihre Kosten explodieren, während ihre Vergütung stagniert. Das Ergebnis: Immer mehr Apotheken geben auf. Seit 2013 musste fast jede fünfte Apotheke in Deutschland schließen – ein Minus von knapp 20 Prozent. Ende 2025 zählte Deutschland nur noch 16.601 Apotheken – der niedrigste Stand seit 1977.

Täglich schließt im Durchschnitt mehr als eine Apotheke für immer ihre Türen. Allein 2025 waren es 440 Betriebe, die aufgeben mussten. Nur 62 neue Apotheken eröffneten – ein dramatisches Missverhältnis, das zeigt: Die Selbstständigkeit in diesem Beruf ist für junge Apothekerinnen und Apotheker nicht mehr attraktiv.

Die Zahlen, die zum Himmel schreien: Warum geben so viele auf?

Die Antwort ist einfach und erschreckend zugleich: Das Fixhonorar pro verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung beträgt seit 2013 unverändert 8,35 Euro. Die Betriebskosten der Apotheken sind im selben Zeitraum um 65 Prozent gestiegen – allen voran die Personalkosten, die heute um 76 Prozent höher liegen als vor 13 Jahren. Die Folge: Jede dritte Apotheke in Deutschland arbeitet wirtschaftlich gefährdet oder bereits defizitär.

Hinzu kommen Belastungen, die viele nicht auf dem Schirm haben: Seit Januar 2026 gilt ein Mindestlohn von 13,90 Euro – sozialpolitisch richtig, aber für Apotheken existenzgefährdend, weil sie diese Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben dürfen. Die Arzneimittelpreisverordnung lässt das nicht zu. Und das Urteil zum Skonto-Verbot? Fehlen den Apotheken dauerhaft rund 22.000 Euro pro Jahr.

Was das für Sie bedeutet

Hinter jeder Statistik stehen Menschen. Wenn Apotheken schließen, leiden vor allem die, die auf wohnortnahe Versorgung angewiesen sind:

  • Ältere, kranke und immobile Menschen
  • Familien mit kleinen Kindern
  • Menschen auf dem Land, wo die Wege ohnehin lang sind

71 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker erwarten, dass die Schließungswelle 2026 vor allem dünn besiedelte ländliche Regionen trifft. Schon heute müssen immer mehr Menschen weitere Wege zurücklegen. Zwischen 2018 und 2023 stieg die Zahl derer, die länger als 15 Minuten zur nächsten Apotheke brauchen, um mehr als zwei Millionen.

Und: Wenn Apotheken schließen, übernehmen die verbleibenden deren Arbeit mit. Mehr Notdienste, längere Öffnungszeiten, größere Belastung fürs Personal. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten am Limit – aber auch das ist endlich.

Die Politik hat versprochen zu handeln – und bricht ihr Wort

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht schwarz auf weiß: „Wir erhöhen das Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro.“ Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat das mehrfach bestätigt.

Doch im aktuellen Gesetzentwurf zur Apothekenreform, dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), fehlt diese Honorarerhöhung vollständig.

Statt die Apotheken zu stärken, will die Regierung sogar noch eins draufsetzen: Apotheken sollen künftig zeitweise ohne ständig anwesenden Apotheker geführt werden dürfen. Eine Apotheke ohne Apotheker? Das ist ein gefährlicher Irrweg! Verlierer wären die Patientinnen und Patienten, die auf kompetente Beratung und sichere Arzneimittelabgabe angewiesen sind.

Was wir fordern – und warum es auch Ihr Kampf ist

Die Apothekerinnen und Apotheker vor Ort sind keine Bittsteller. Sie fordern nichts Unverschämtes. Sie fordern das, was ihnen zusteht: eine angemessene Vergütung für ihre unverzichtbare Arbeit.

  • Das Fixhonorar muss endlich auf mindestens 9,50 Euro steigen.
  • Die Vergütung muss regelmäßig an die Kostenentwicklung angepasst werden.
  • Die Apotheke vor Ort muss erhalten bleiben – als Teil der Daseinsvorsorge.

Denn eines ist klar: Apotheken sind mehr als Medikamentenausgaben. Sie sind Gesundheitszentren, erste Anlaufstelle bei Beschwerden, Impf-Orte, Hersteller von Rezepturen, Retter in der Not – und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Und das alles zum Nulltarif? Das gibt es nicht mit uns!

Am 23. März bleiben die Türen zu – aber wir sind für Sie da

Ja, am 23. März bleiben viele Apotheken geschlossen. Aber: Die Notdienstversorgung ist sichergestellt! Wenn Sie ein dringendes Medikament brauchen, finden Sie die nächste geöffnete Notdienst-Apotheke in den Tageszeitungen, im Internet oder unter der kostenfreien Nummer 0800 00 22 833.

Und die Proteste? Die sind friedlich, aber entschlossen. In vielen Städten werden Apothekenteams auf die Straße gehen – nicht gegen Sie, sondern für Sie. Für Ihre Sicherheit. Für Ihre Gesundheit. Für die Apotheke um die Ecke, die auch morgen noch für Sie da sein soll.

Helfen Sie uns, Ihre Apotheke zu retten!

Sie können etwas tun! Die ABDA, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hat eine bundesweite Online-Petition gestartet: „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“ Jede Unterschrift zählt!

Direktlink zur Petition: www.openpetition.de/!fgpmn