Ihre Apotheke vor Ort ist in Gefahr. Und damit auch Ihre Gesundheit.

Am kommenden Montag, dem 23. März 2026, bleiben bundesweit tausende Apotheken geschlossen. Ihre Inhaberinnen, Inhaber und Teams gehen auf die Straße – zu zentralen Protestkundgebungen der Apothekerverbände und der ABDA. Nicht, weil sie ihre Patientinnen und Patienten im Stich lassen wollen. Sondern weil sie um das Überleben der wohnortnahen Arzneimittelversorgung kämpfen. Wir, das Team der Apotheke Bühlau sind mit dabei.

Wir protestieren am 23. März 2026 gegen das politisch veranlasste Apothekensterben in Deutschland, damit dieses gestoppt wird – jetzt! Für Sie. Für Ihre Familie. Für die Gesellschaft. Wir kämpfen dafür, dass wir Sie auch in Zukunft mit Arzneimitteln, Medizinprodukten und Hilfsmitteln schnellstmöglich versorgen und unsere Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen Sie mit pharmazeutischer Expertise weiterhin begleiten dürfen.

Liebe Patientinnen und Patienten,

Stellen Sie sich vor, Sie sind nachts auf ein dringendes Medikament angewiesen. Ihr Kind hat Fieber, der Husten will nicht weichen, oder Ihr chronisch kranker Angehöriger braucht dringend ein Rezept – und die nächste Apotheke ist 20 Kilometer entfernt. Was heute für viele selbstverständlich ist – die Apotheke um die Ecke, die Ihnen vertraute Beratung, das schnelle Gespräch – das ist massiv bedroht.

Seit 20 Jahren hat die Politik das Apothekenhonorar nicht erhöht. Seitdem müssen Apotheker zusehen, wie ihre Kosten explodieren, während ihre Vergütung stagniert. Das Ergebnis: Immer mehr Apotheken geben auf. Seit 2013 musste fast jede fünfte Apotheke in Deutschland schließen – ein Minus von knapp 20 Prozent. Ende 2025 zählte Deutschland nur noch 16.601 Apotheken – der niedrigste Stand seit 1977.

Täglich schließt im Durchschnitt mehr als eine Apotheke für immer ihre Türen. Allein 2025 waren es 440 Betriebe, die aufgeben mussten. Nur 62 neue Apotheken eröffneten – ein dramatisches Missverhältnis, das zeigt: Die Selbstständigkeit in diesem Beruf ist für junge Apothekerinnen und Apotheker nicht mehr attraktiv.

Die Zahlen, die zum Himmel schreien: Warum geben so viele auf?

Die Antwort ist einfach und erschreckend zugleich: Das Fixhonorar pro verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung beträgt seit 2013 unverändert 8,35 Euro. Davon abgezogen wird ein Kassenabschlag, eine Art Zwangsrabatt in Höhe von 1,77 €, den Apotheken an die GKV zahlen müssen. Verbleibt ein effektives Honorar von 6,58 € pro Arzneipackung. Die Betriebskosten der Apotheken sind im selben Zeitraum um 65 Prozent gestiegen – allen voran die Personalkosten, die heute um 76 Prozent höher liegen als vor 13 Jahren. Die Folge: Jede dritte Apotheke in Deutschland arbeitet wirtschaftlich gefährdet oder bereits defizitär.

20 Jahre Honorar-Stillstand: Gutachten belegt 50 Milliarden Euro schwere Belastung der Apotheken durch die Politik

Ein neues wissenschaftliches Kurzgutachten im Auftrag der Freien Apothekerschaft offenbart das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Benachteiligung deutscher Vor-Ort-Apotheken. Die Auswertung von Prof. Dr. Andreas Kaapke und Dipl.-Sowi. Nina Kleber-Herbel belegt, dass die Apothekenbranche über zwei Jahrzehnte hinweg die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) massiv subventioniert hat – zulasten der eigenen Existenzfähigkeit.

Die harten Fakten: Enorme Einsparvolumina innerhalb der GKV

Das Gutachten beziffert die Leistungen der Apotheken zugunsten der Kassen im Zeitraum von 2004 bis 2024 auf eine schwindelerregende Summe:

  • 29 Milliarden Euro flossen über den gesetzlich vorgeschriebenen Apothekenabschlag direkt an die GKV.
  • 21 Milliarden Euro sparten die Kassen zusätzlich ein, da das Apothekenhonorar (Fixum) trotz massiver Inflation seit 2004 nahezu unverändert blieb.

„Während die Betriebskosten und der bürokratische Aufwand explodieren, wurde das Honorar der Apotheken real entwertet. Dass die Kassen mit diesem Geld unter anderem Werbung und Lifestyle-Maßnahmen finanzieren, ist ein Schlag ins Gesicht jedes Apothekers“, kritisiert Daniela Hänel, 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft.

Die Freie Apothekerschaft verweist in diesem Zusammenhang auch auf aktuelle Analysen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Diese belegen, dass die Gesetzlichen Krankenkassen massiv durch „versicherungsfremde Leistungen“ belastet werden – Gelder, die eigentlich vom Bund über Steuern finanziert werden müssten.

„Es ist ein politisches Paradoxon: Die Wirtschafts- und Gesundheitspolitik unserer Regierung verweigert den Apotheken eine inflationsgerechte Entlohnung mit Verweis auf klamme Kassen in der GKV, während gleichzeitig Milliarden an Beitragsgeldern für staatliche Aufgaben zweckentfremdet werden. Würde der Bund diese versicherungsfremden Leistungen endlich fair aus Steuermitteln ausgleichen, gäbe es mehr als genug Spielraum für die überfällige Honoraranpassung der Apotheken“, stellt Daniela Hänel von der freien Apothekerschaft klar.

Die Politik hat versprochen zu handeln – und bricht ihr Wort! Ministerin Warken verweigert Soforthilfe

Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht schwarz auf weiß, veröffentlicht am 09.04.2025: „Wir erhöhen das Apothekenpackungsfixum einmalig auf 9,50 Euro.“ Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat das mehrfach bestätigt. Trotz der prekären Lage und der im Koalitionsvertrag fixierten Zusage, das Honorar von 8,35 Euro auf 9,50 Euro pro Arznei-Packung anzuheben, erteilte die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken dieser Maßnahme auf dem Deutschen Apothekertag im September 2025 eine Absage. Im aktuellen Gesetzentwurf zur Apothekenreform, dem Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG), fehlt diese Honorarerhöhung vollständig. Dies ist ein politischer Affront gegen die Apothekenbranche, der ihre wirtschaftliche Perspektive so schwächt, dass Sie zum Absterben verurteilt ist.

Statt die Apotheken zu stärken, will die Regierung sogar noch eins draufsetzen: Apotheken sollen künftig zeitweise ohne ständig anwesenden Apotheker geführt werden dürfen. „Eine Apotheke ohne Apotheker? Das ist ein gefährlicher Irrweg! Verlierer wären die Patientinnen und Patienten, die auf kompetente Beratung und sichere Arzneimittelabgabe angewiesen sind“, so Sylvia Trautmann, Apotheke Bühlau.

„Die versprochenen 9,50 Euro waren bereits vor 11 Monaten als Notmaßnahme gedacht – heute sind sie durch die Inflation längst wieder entwertet“, so Daniela Hänel. „Wenn die Politik weiterhin jährlich drei Milliarden Euro aus dem System presst, nimmt sie das Sterben der wohnortnahen Arzneimittelversorgung fahrlässig in Kauf. Das ist politisch unverantwortlich.“

Was das für Sie als Patient bedeutet

Hinter jeder Statistik stehen Menschen. Wenn Apotheken schließen, leiden vor allem die, die auf wohnortnahe Versorgung angewiesen sind:

  • Ältere, kranke und immobile Menschen
  • Familien mit kleinen Kindern
  • Menschen auf dem Land, wo die Wege ohnehin lang sind

Die Schließungswelle trifft vor allem ländliche Regionen, Stadteile bzw. Stadtränder. Schon heute müssen immer mehr Menschen weitere, zeitlich längere Wege zur nächsten Notdienstapotheke zurücklegen.

Und: Wenn Apotheken schließen, übernehmen die verbleibenden öffentlichen Apotheken vor Ort deren Arbeit mit oder der ausländische Versandhandel. Doch ausländische Arzneimittel-Versandlogistiker wie z.B. „Shop-Apotheke“ machen vor Ort keine Bereitschaftsdienste in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen! Sie machen keine Rezeptur-Arzneimittel und keine persönliche, vertrauliche Beratung. Mehr Notdienste, längere Öffnungszeiten, größere Belastung fürs Personal haben die verbleibenden Apotheken vor Ort in unserem Land zu tragen. Die Mitarbeiter dort arbeiten am Limit – aber auch das ist endlich, weil der Fachkräftemangel in der Branche immer akuter wird.

Was wir fordern – und warum es auch Ihr Kampf ist

Die Apothekerinnen und Apotheker vor Ort sind keine Bittsteller. Sie fordern nichts Unverschämtes. Sie fordern das, was ihnen zusteht: eine angemessene Vergütung für ihre unverzichtbare Arbeit.

  • Die Vergütung muss regelmäßig mit einem einen transparenten, dynamischen Anpassungsmechanismus an die Kostenentwicklung angepasst werden, um künftige Inflationsschübe abzufangen
  • Die Apotheke vor Ort muss erhalten bleiben – als Teil der Daseinsvorsorge.
  • ein Ende der einseitigen Belastung durch den Apothekenabschlag, den Apotheken an die GKV als eine Art Zwangsrabatt abführen müssen.

Denn eines ist klar: Apotheken sind weit mehr als reine Ausgabestellen für Arzneimittel. Für viele Menschen sind sie die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden, wenn es um vertrauliche, niedrigschwellige und fachkundige Beratung in Gesundheitsfragen geht. Sie sichern tagtäglich die wohnortnahe und schnelle Arzneimittel-Versorgung und das mit hoher fachlicher Kompetenz und persönlicher Zuwendung. Sie sind Gesundheitszentren, Hersteller von individuellen Rezeptur-Arzneimitten, Retter in der Not – und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. ein unverzichtbarer Pfeiler unseres Gesundheitswesens.

Und das alles zum Nulltarif? Das gibt es nicht mit uns!

Am 23. März bleiben die Türen zu – aber wir sind für Sie da

Ja, am 23. März bleiben viele Apotheken geschlossen. Aber: Die Notdienstversorgung ist sichergestellt! Wenn Sie ein dringendes Medikament brauchen, finden Sie die nächste geöffnete Notdienst-Apotheke unter der kostenfreien Nummer 0800 00 22 833.

Und die Proteste? Die sind friedlich, aber entschlossen. In vielen Städten werden Apothekenteams auf die Straße gehen – nicht gegen Sie, sondern für Sie. Für Ihre Sicherheit. Für Ihre Gesundheit. Für die Apotheke um die Ecke, die auch morgen noch für Sie da sein soll.

Helfen Sie uns, Ihre Apotheke zu retten!

Sie können etwas tun! Die ABDA, Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hat eine bundesweite Online-Petition gestartet: „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“ Jede Unterschrift zählt!

Direktlink zur Petition: www.openpetition.de/!fgpmn

Mit Ihrer Unterschrift fordern Sie die Bundesregierung auf, das Apothekenhonorar endlich anzuheben und so die wohnortnahe Arzneimittelversorgung zu sichern. Die Unterstützung ist damit schnell und unkompliziert möglich.

Unterstützen Sie Ihre Apotheke vor Ort. Reden Sie mit Freunden und Familie darüber. Fragen Sie Ihre Abgeordneten, was sie tun, um die Apotheken zu retten. Denn wenn die letzte Apotheke im Ort schließt, ist sie weg – und kommt nicht wieder.

Wir sind seit 28 Jahren für Sie da – und seit 13 Jahren zu den gleichen Preisen. Vielen Dank, dass Sie sich für den Erhalt Ihrer Apotheke vor Ort einsetzen!

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an uns oder an den sächsischen Apothekerverband www.sav-net.de oder die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände www.abda.de.