- Trautmann
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Von unseriösen Heilversprechen im Webshop und von echtem Therapie-Wissen in der Apotheke
Das entdecken wir auf Grund von Fragen unserer Kunden immer wieder neu: Auf Shop-Seiten von Versandhändlern locken Produktangebote von Nahrungsergänzungen (NEM) mit „wissenschaftlichen Studien“, die eigentlich wertlos sind. Eine Patientin unserer Apotheke bestellte sich aus einem Yellowpress-artigen Versandkatalog eines Dr. Soundso ein kostspieliges Präparat und zeigte es uns. Sie hatte keine Besserung Ihrer Beschwerden erfahren, aber viel Geld ausgegeben. Nun fragt sie uns: Warum wirkt das nicht???
Gleichzeitig verteufeln diese Shop-Anbieter klassische Medikamente als Mittel mit starken Nebenwirkungen und wenig Wirksamkeit, obwohl deren Wirksamkeit tatsächlich in klinischen Studien mit hoher wissenschaftlicher Evidenz belegt ist. Wem kann man noch glauben, was wirklich wirkt und was heilsam ist? Warum greifen Menschen gleichzeitig mit zuversichtlicher Gewissheit zu allen im Internet angepriesenen Pseudo-Arzneimitteln, die nur NEM mit unlauteren Heilversprechen sind?
Selbstverständlich gibt es gesundheitliche (Not)-Situationen, die schnelle Abhilfe verlangen – obwohl und trotz dass Arzttermine nicht so schnell verfügbar sind. Und ja, nicht immer kann eine ärztlich veranlasste Therapie vollständiges Wohlbefinden oder gar 100ige Genesung erzielen. Auch das ist ein plausibler Grund für eine selbst verantwortete Selbstmedikation.
Fünf Gruppen, die klar getrennt werden sollten
Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind rechtlich Lebensmittel. Sie sollen die allgemeine Ernährung ergänzen und sind nicht zur Behandlung von Krankheiten bestimmt. Vor dem Verkauf durchlaufen sie kein behördliches Zulassungsverfahren, in dem ihre Wirksamkeit geprüft wird. Das Produkt muss beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden; diese Anzeige ist jedoch keine inhaltliche Prüfung oder Genehmigung.
Das bedeutet nicht, dass Nahrungsergänzungsmittel grundsätzlich nutzlos sind. Bei einem nachgewiesenen Nährstoffmangel, bestimmten Ernährungsformen oder in besonderen Lebensphasen können ausgewählte Präparate sinnvoll sein. Die Auswahl und Dosierung sollten aber zum tatsächlichen Bedarf passen. Auch Vitamine, Mineralstoffe und Pflanzenextrakte können überdosiert werden oder mit Arzneimitteln wechselwirken.
Die Anbieter freiverkäuflicher Nahrungsergänzungsmittel (NEM) müssen keine wissenschaftliche Wirksamkeitsstudien für ihre Produkte machen, um auf dem Markt verkauft zu werden. Dafür aber müssen die Inverkehrbringer solcher NEM-Produkte viel Werbung machen, um überhaupt verkaufen zu können. Diese boomende NEM-Branche hat die „Wissenschaft“ für sich entdeckt und baut entsprechende Fassaden auf. Sie nebelt ihre Präparate mit pharmakologisch hochtrabend klingenden Begriffen ein, pflastert Werbetexte mit Doktoren-Titeln und beruft sich auf „klinische Studien“. Für den medizinischen Laien klingt das seriös. Um zu erkennen, dass das bloße Fassaden sind, fehlt ihm das methodische Wissen – und vielleicht auch die Kraft oder die Zeit, die Werbebotschaft wirklich zu hinterfragen.
Zugelassene pflanzliche Arzneimittel
Pflanzliche Arzneimittel – auch Phytopharmaka genannt – sind Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen. Bei einer regulären Zulassung werden die pharmazeutische Qualität, die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit geprüft. Der Nachweis kann je nach Zulassungsweg beispielsweise durch eigene klinische Studien oder durch wissenschaftliche Fachliteratur für einen seit Langem medizinisch verwendeten Wirkstoff erbracht werden.
„Pflanzlich“ beschreibt daher zunächst die Herkunft des Wirkstoffs – nicht automatisch die Stärke der Evidenz. Für einige pflanzliche Arzneimittel gibt es gute wissenschaftliche Belege. Sie können aber ebenfalls Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen haben.
Traditionell registrierte pflanzliche Arzneimittel
Für traditionelle pflanzliche Arzneimittel gibt es ein vereinfachtes Registrierungsverfahren. Dabei müssen unter anderem die pharmazeutische Qualität und eine langjährige medizinische Anwendung belegt werden. Die beanspruchte Wirkung muss aufgrund der traditionellen Anwendung plausibel sein. Ein klinischer Wirksamkeitsnachweis wie bei einer regulären Zulassung wird jedoch nicht verlangt.
Eine traditionelle Registrierung ist deshalb nicht mit einem klinischen Wirksamkeitsnachweis gleichzusetzen. Solche Präparate können für leichte Beschwerden zur Selbstmedikation vorgesehen sein; die Grenzen der Anwendung sollten beachtet werden.
Homöopathische Arzneimittel und Spagyrik
Homöopathische Arzneimittel bilden eine eigene arzneimittelrechtliche Kategorie. Sie können registriert oder zugelassen werden. Registrierte homöopathische Arzneimittel werden ohne therapeutische Indikation in Verkehr gebracht. Ihre Registrierung ist daher kein klinischer Nachweis, dass sie eine bestimmte Erkrankung oder Beschwerde wirksam behandeln. Ihre erfolgreiche Anwendung folgt einer bewährten Jahrhunderte alten Erfahrungsheilkunde, die erlernt und gut studiert sein will. Mehr über Spagyrik erfahren.
Unseriös beworbene Produkte: „Schwurbelmedizin“?
Unseriöse Werbung kann bei Nahrungsergänzungsmitteln, Medizinprodukten und anderen Gesundheitsprodukten auftreten. Umgekehrt ist nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel unseriös und nicht jedes pflanzliche Produkt automatisch wirksam.
Entscheidend sind die konkreten Aussagen des Anbieters, die Qualität der Belege und die Frage, ob Nutzen, Grenzen und Risiken transparent dargestellt werden.
Woran Sie seriöse Gesundheitsinformationen erkennen
- Die angeführte Studie untersucht tatsächlich das beworbene Produkt – nicht nur einen einzelnen Inhaltsstoff oder ein ähnliches Präparat.
- Dosierung, Anwendungsdauer und untersuchte Beschwerden stimmen mit der Werbeaussage überein.
- Die Untersuchung umfasst genügend Teilnehmende, eine geeignete Vergleichs- oder Kontrollgruppe und für Patientinnen und Patienten relevante Endpunkte.
- Die Ergebnisse wurden nachvollziehbar veröffentlicht und nicht nur vom Hersteller zusammengefasst.
- Interessenkonflikte, Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen werden offengelegt.
- Es gibt keine absoluten Versprechen wie „wirkt garantiert“, „ohne jedes Risiko“ oder „von der Medizin verschwiegen“.
- Erfahrungsberichte werden nicht als Ersatz für wissenschaftliche Belege verwendet.
- Pflanzlich bedeutet weder automatisch wirksam noch harmlos
Bei pflanzlichen Produkten kommt es auf den genau definierten Extrakt, die Dosierung, die Herstellungsqualität und das Anwendungsgebiet an. Aus derselben Pflanze können ein Tee, ein Nahrungsergänzungsmittel und ein zugelassenes Arzneimittel entstehen – mit unterschiedlichen Inhaltsstoffmengen, Qualitätsanforderungen und wissenschaftlichen Belegen.
Auch eine gute Verträglichkeit beweist noch keine Wirksamkeit. Umgekehrt sollten gut untersuchte pflanzliche Arzneimittel nicht pauschal als „Pille-Palle“ abgewertet werden. Sinnvoll ist keine Lagerdebatte zwischen „Natur“ und „Schulmedizin“, sondern eine nüchterne Prüfung des konkreten Präparats.
Mehr unabhängige Forschung kann Klarheit schaffen
Eine stärkere öffentliche und unabhängige Forschung zu Heilpflanzen und pflanzlichen Wirkstoffen kann helfen, vielversprechende Anwendungen besser zu bewerten. Sie sollte die Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit nicht absenken, sondern die wissenschaftliche Datenlage verbessern. Gute Forschung hilft dabei, wirksame Therapieansätze von unbelegten Werbeversprechen zu unterscheiden.
Warum sich die Beratung in der Apotheke Bühlau lohnt
Unsere Apothekerinnen prüfen für Sie, zu welcher Produktgruppe ein Präparat gehört, ob die beworbene Dosierung plausibel ist und ob Wechselwirkungen mit Ihren Arzneimitteln zu erwarten sind. Außerdem können sie einschätzen, ob eine Selbstmedikation vertretbar ist oder ob die Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten. Denn Apotheker haben die Wissenschaft von der Wirksamkeit der Arzneimittel, auch Pharmakologie genannt, studiert – und zwar vier Semester lang in einem 5-jährigen Hochschulstudium.
Bringen Sie bei Fragen die Packung, ein Foto des Etiketts oder den Link zum Angebot mit und holen Sie sich sofort fundierten Rat. Bei starken, plötzlich auftretenden, anhaltenden oder zunehmend schlimmeren Beschwerden sollten Sie zeitnah ärztliche Hilfe suchen; in einem medizinischen Notfall wählen Sie die 112. Ansonsten gibt es ab 15. August auch die Möglichkeit einer sofortigen ärztlichen Videosprechstunde ohne Termin in ihrer Apotheke Bühlau.
Unser Rat:
Entscheidend ist nicht, ob ein Produkt „natürlich“, „alternativ“ oder „wissenschaftlich entwickelt“ genannt wird. Entscheidend für ein Heilungserfolg ist: Was kann das Produkt? In welcher Dosierung wird es angewendet? Wofür soll es helfen – und welche belastbaren Belege seiner Wirksamkeit gibt es dafür?
Fragen Sie vor dem Kauf Ihre Apothekerin in der Apotheke Bühlau. Von ihr erhalten Sie eine fundierte und verständliche Einschätzung dazu, was zu Ihrer Situation passt und welche Produkte nicht empfehlenswert sind.